Die Rolle der Bildung
Lernen wollen – die Schlüsselfunktion im Projekt Rückenwind
Der Bildung wird allgemein eine Schlüsselfunktion zuerkannt, mittels derer sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche befähigt werden, sich selbst aus ihrer Benachteiligung zu befreien.
Ein Problem, das dabei oft außer Acht gelassen wird, ist die Frage: „Wie bringt man diese Kinder und Jugendlichen, die mit Bildung häufig nur Minderwertigkeitsgefühle und Frustrationserlebnisse assoziieren, dazu für Bildung empfänglich zu werden?“
„Rückenwind“ ist ein Projekt, welches diesen Konflikt auflösen soll. Das Projekt bietet eine innovative Plattform, mit der Zugangswege zu den sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen geschaffen werden, um ein Eigeninteresse an Bildung in ihnen zu wecken.
„Nur was die Schüler gelernt haben, selbst zu wollen, wird in ihrem Leben über den Unterricht hinaus Bedeutung gewinnen. Auch und besonders unter diesem Gesichtspunkt der Werthaltungen gilt, dass Erziehung darauf zielen muss, sich selbst überflüssig zu machen. Oder positiv gewendet: Erziehung zielt letztlich auf Selbstbestimmung.“
Ziele
Zielgerichtet wirken
Das Projekt „Rückenwind“ hat das übergeordnete Ziel, sozial benachteiligte Jugendliche in ihrer Identitätsfindung zu unterstützen und ihre Bereitschaft zu fördern, sich als aktive und mündige Bürger in die Gesellschaft zu integrieren.
Dies wird insbesondere durch folgende Teilziele verwirklicht:
- Die Jugendlichen dazu bewegen, bei auftretenden Problemen auf Gewalt und Kriminalität zu verzichten und so dem Kreislauf von Jugenddelinquenz, Stigmatisierung und sozialer Deprivation zu entgehen.
- Sie dazu befähigen, ihre Probleme nach Möglichkeit selbst zu lösen, Strategien der Kommunikation zu entwickeln, um berechtigte Interessen argumentativ vertreten zu können oder gezielt auf legalem Wege nach Hilfe zu suchen.
- Sie in ihrem Bemühen um Teilhabe an Bildungschancen dadurch zu unterstützen, dass sie durch die Vereinsarbeit vielseitig die Wirksamkeit von Bildungsbemühungen am eigenen Leibe erfahren.
„Die Pädagogik […] ist Erziehung zur Persönlichkeit, Erziehung eines frei handelnden Wesens, das sich selbst erhalten, und in der Gesellschaft ein Glied ausmachen, für sich selbst aber einen inneren Wert haben kann.“
Immanuel Kant
Die Zielgruppe
Wen wollen wir erreichen?
Es werden Jugendliche ausgewählt, die sozial benachteiligt sind und in ihrem sozialen Brennpunkt von den meisten Kindern und Jugendlichen respektiert und akzeptiert werden. In der Regel haben diese Jugendlichen ein dominantes Auftreten im Quartier.
Wenn diese Jugendlichen während und auch nach der Förderung mit einem neuen Bewusstsein an die Kinder und Jugendlichen im Quartier herantreten, kann davon ausgegangen werden, dass sie bei diesen positive Modelleffekte auslösen. So erfahren sie beispielhaft, dass es nicht „uncool“ ist, „richtiges“ Deutsch zu sprechen oder keine Probleme mit der Polizei zu haben. Bestätigt werden diese Erfahrungen durch die Erfolge des „Neue Wege“ Projektes.
56 sozial benachteiligte Jugendliche aus einem oder auch mehreren Stadtteilen werden bei „Rückenwind“ fest eingebunden. Durch die Multiplikatorenwirkung dieser Teilnehmer werden zahlreiche weitere Kinder und Jugendliche aus den Quartieren erreicht, welches die Breite und Nachhaltigkeit der Wirkung des Projektes noch erhöht.
Projektstruktur
Eine besondere Form der Aktivierung und Multiplikationswirkung
Eine gezielte Einbindung der Jugendlichen in die Projektstruktur sichert die kontinuierliche Aktivität aller Beteiligten innerhalb des Projektes. Jeder Teilnehmer ist gefordert, da er sowohl in Projektteams etwas kreiert bzw. realisiert, als auch darüber hinaus eine Patenschaft für einen weiteren Jugendlichen eingeht, die Verantwortungsbewusstsein und bedachtes Handeln erfordert.
Ein Projektteam besteht aus einem Teamleiter, drei Junioren und drei Aspiranten. Die Teamleiter sind ebenfalls Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die aus sozial benachteiligten Verhältnissen kommen und über das Projekt „Neue Wege“ oder zukünftig durch „Rückenwind“ gefördert wurden bzw. werden. Sie dienen als authentische, positive Rollenvorbilder und leben den Junioren eine mögliche sinnhafte Teilnahme an der Gesellschaft vor.
Die Projektteams planen, organisieren und führen Projekte und Aktionen in verschiedenen Handlungsfeldern durch, die den Jugendlichen eine Plattform bieten, auf der sie sich als Multiplikatoren kreativ und schöpferisch betätigen können. Zugleich profitieren weitere Kinder und Jugendliche von den Projekten und Aktionen im Stadtteil. Unterstützt und angeleitet werden die Projektteams dabei von den Mitarbeitern, die in ihrer Funktion als Projektgruppenleiter beraten und ausbilden bzw. als Personal Coaches und Trainer agieren.

Aufgaben innerhalb der Projektstruktur
Übersicht der verschiedenen Arbeitsfelder

Personal Coaching & Training
Vertrauen aufbauen – Situationen aufzeigen – Strategien entwickeln
Der Personal Coach und Trainer nimmt die Rolle einer vertraulichen Bezugsperson ein, welche die Jugendlichen in ihrer Persönlichkeitsbildung und -entwicklung unterstützt. Er begleitet die Jugendlichen in ihren individuellen Lebensräumen, um ein Gesamtbild der Situation zu erlangen und gemeinsam mit ihnen Ziele und Handlungsstrategien zu entwickeln. Insbesondere bei sozial benachteiligten Jugendlichen kann die „Sozialisationsinstanz Familie“ dieser Aufgabe häufig nicht nachkommen.
Nach dem Erkennen der momentanen Lebenssituation gilt es, die Jugendlichen aus der Opferrolle hinauszubegleiten und ihnen zu verdeutlichen, dass sie eine Veränderung herbeiführen können, wenn sie ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen. Es liegt überwiegend in ihrer eigenen Willenskraft, neue Wege zu gehen.
Die Rolle des Sports
Sport als Spiegel der Gesellschaft
Normen, Werte und Eigenschaften der Gesellschaft spiegeln sich im Sport wider. Er ist von Prinzipien der Objektivierung, der Ökonomisierung und der Maximierung geleitet und orientiert sich an Idealen wie Chancengleichheit, Teamfähigkeit und Wettbewerb. Dadurch macht Sport im kleinen Rahmen erfahrbar, wie die Gesellschaft funktioniert und auf eigenes Handeln reagiert.
Diese Erfahrungsprozesse werden im Rahmen von Personal Training Einheiten gezielt zur Personalisation und Sozialisation zum Sport, aber gerade auch durch Sport genutzt. Der Sport ermöglicht so die Teilhabe an einem Beziehungssystem von Partnerschaften und Gemeinsamkeiten, das vielen jungen Menschen unter sozial benachteiligten Lebensumständen ansonsten unzugänglich bliebe.
Die am eigenen Leib gemachten Erfahrungen bieten somit eine Alternative zu passivem Verhalten und gedankenloser Konsumorientierung, die unter den Jugendlichen stark verbreitet sind. Der Sport bietet ungefilterte Erfahrungen der Eigenständigkeit, Aktivität und Authentizität.